Ursprünglich hatten wir ein Gorilla-Trecking im Mgahinga Gorilla National Park geordert. Doch die Gorilla-Herde war ins benachbarte Kongo gewandert, sodas wir kurzfristig in der Nähe des Parks zu einer anderen Gorilla-Herde umgeleitet wurden, die erst kurz vorher an Menschen gewönt wurde. Das Basislager lag recht hoch auf einem Berg und bestand aus einer Lehmhütte. Es regnete und die Luft war feucht, kalt und sehr dünn.
Geführt wurden wir von einem Ranger und zwei Träger kümmerten sich um die Fotoausrüstung und den Proviant. Fünf Miltitärangehörige mit unterschiedlichen Uniformen bildeten um uns einen Sicherheitskreis gegen eventuelle Überfälle.
Der extrem steile Berg und der Regen sorgten dafür, das unser Abstieg zu den Gorillas eher ein Rutschen war und weniger mit den Füßen erfolgte. Erstaunlicherweise kamen die Ugander mit ihren Gummistiefeln oder gar barfuß hervorragend damit zurecht. Am Fuß des Berges angekommen, ging wieder steil bergauf und total ausgepowert hatten wir dann endlich Kontakt mit den Gorillas. Diese Tiere waren im Vergleich zu den Gorillas in Ruanda wesentlich größer. Bisher hatten sie nur Kontakt zu Rangern und wir waren die ersten Touristen, die schon etwas anders aussahen und sich bewegten. Somit schlug das zuerst gesichtete Weibchen durch Brusttrommeln Alarm. Innerhalb von 5 Sekunden preschte ein Silberrücken seitlich aus dem Dschungel und musterte uns von oben bis unten. Aus seinem Blick konnte man ablesen, dass wir für ihn keine Konkurrenz darstellten. Er ging auf sein Weibchen zu, gab ihr einen Klaps und somit durften wir sein Reich betreten.
Dennoch war die Annäherung recht gefährlich. Unter mir war ein Abgrund von 30 Meter. Ein Träger und ein Ranger mußten mich permanent stützen, damit ich die Fotos schiessen konnte und dabei nicht das Fliegen lerne. Physisch total am Ende wurde ich durch die Ranger immer wieder motiviert, den Gorillas zu folgen. Sie bewiesen echte Trainerfähigkeiten. Auch die Träger waren extrem hilfsbereit. Per Blickkontakt brachten sie Kameras und Objektive. Als der Regen noch weiter zunahm, fanden wir mit einer anderen Ranger-Gruppe Unterschlupf in einer Lehmhütte eines hilfsbereiten Bauern. Über den Ranger erfuhren wir, dass die Permit-Gebüren dazu verwendet werden, die vereinzelten Bauern umzusiedeln, damit das Gebiet in Zukunft ausschließlich den Gorillas gehört.
Nach dem Regen wanderte die Gorilla-Gruppe den Berg hinauf und der Dschungel wechselte in Grasland. Erst jetzt konnte man sehen, das es eine recht große Gruppe mit ca. 20 Tieren war, die von zwei Silberrücken geführt wurde.
Da der Tag langsam zu Neige ging, mußten wir uns von den Gorillas trennen und weiter den Berg hinauf zum Basislager ziehen. Bei stömenden Regen kletterte ich nach Luft ringend auf allen Vieren durch den Schlamm den Berg hinauf, während neben mir eine junge Rangerin mit dem Aussehen eines Fotomodells und einer Kalaschnikow im Arm keinerlei Anstrengungen spürte. Oben angekommen wurden wir vom Chef des Nationalparks begrüßt, der wissen wollte, wie uns die neue Tour gefallen hatte. Für mich war es die härteste und vielleicht deshalb auch eine der schönsten Trecking-Touren. Vor allem die Hilsbereitschaft der einheimischen Ranger, Träger und Militärbegleitung verdient Anerkennung. Sie setzten selbstlos alles daran, dass man trotz widriger Bedingungen, dennoch zu einem unvergeßlichen Erlebnis kam.
Erstellt am 20.2.2005